Recht und Gesetz: Was bei Vaterschaftstests zu beachten ist

Bei einem Vater­schaftstest gelten strenge Regeln: Der Gesetz­geber stuft ihn als Eingriff in das Persönlich­keits­recht ein. Wer vor der Durch­führung nicht einige Dinge beachtet, muss mit empfindlichen Strafen rechnen.

Vaterschaftstests - Recht und Gesetz

1. Alle müssen einverstanden sein

Ganz wichtig: Bei einem Vaterschaftstest müssen alle Beteiligten zustimmen. Entsprechende Vordrucke liefert der Anbieter meist gleich mit. Zumindest alle deutschen Anbieter werden den Test nur dann durchführen, wenn eine voll­ständige Einverständnis­erklärung vorliegt.

Ist das Kind noch unmündig, müssen alle Sorgeberechtigten zustimmen - also in der Regel auch die Mutter. Ein volljähriges Kind kann natürlich selber entscheiden.

Wer einen Vaterschaftstest ohne die notwendigen Einwilligungen durchführt, riskiert eine Bestrafung durch ein Gericht. Ein heimlicher Test ist eine Ordnungswidrigkeit und kann bis zu 5­000 Euro kosten.

2. Was, wenn die Mutter sich weigert?

Verweigert die Mutter ihr Einverständnis, bleibt nur der Gang vor das Gericht. Jeder Mann, der gesetzlich als Vater anerkannt ist, hat das Recht auf einen Vaterschaftstest. Ein Familiengericht wird seinem Antrag meist zustimmen - es sei denn, das Wohl des Kindes ist dadurch gefährdet.

Die Entscheidung des Gerichts ersetzt dann das Einverständnis der Mutter, der Vaterschaftstest kann legal durchgeführt werden. Bei Personen mit sehr geringem Einkommen kann das Gericht sogar die Kosten übernehmen.

Schwieriger wird es, wenn keine amtliche Anerkennung der Vaterschaft erfolgt ist - reine Neugierde ist kein ausreichender Grund für einen Vaterschaftstest. Zwei Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit ein Gericht eine Vater­schafts­fest­stellung anordnet: Der mögliche Vater muss ernsthaftes Interesse an dem Kind haben, und der Kontakt muss dem Kindeswohl dienen.

3. Was, wenn der Vater sich weigert?

Auch die Mutter hat das Recht, eine Vaterschaftsfeststellung einzuklagen. Ein Amts- oder Familiengericht kann dies einleiten, wenn es noch keinen gesetzlich anerkannten Vater gibt. Das Ergebnis hat dann rechtliche Konsequenzen, etwa in Bezug auf Unterhalt und Umgangsrecht.

Wer die gesetzlichen Konsequenzen scheut, kann auch nur die Abstammung klären lassen. Dabei wird allen Beteiligten das Ergebnis des Vaterschaftstests mitgeteilt, aber rechtliche Ansprüche erwachsen daraus nicht.

4. Vaterschaftstest im Ausland

Viele ausländische Anbieter von Vaterschaftstest werben damit, dass sie den Test auch ohne Einwilligung aller Beteiligten durchführen dürfen. In Österreich, Holland oder Belgien ist das tatsächlich legal. Das heißt aber nicht, dass deutsche Kunden keine Strafe fürchten müssen.

Jeder, der in Deutschland lebt, ist auch an deutsches Recht gebunden. Egal, ob der Vaterschaftstest in Deutschland oder im Ausland ausgeführt wird: Heimliche Tests sind verboten und können bestraft werden.

5. Vaterschaftstest vor der Geburt

Ein pränataler Vater­schaftstest, der noch während der Schwangerschaft durchgeführt wird, ist in Deutschland verboten. Privatpersonen haben keine Möglichkeit, einen derartigen Test anzufordern.

Wer dennoch schon vor der Geburt Klarheit haben möchte, muss ins Ausland reisen. In Österreich oder Holland etwa sind diese sogenannten pränatalen Vaterschaftstests legal.

Straftaten bilden natürlich eine Ausnahme. Bei einer Vergewaltigung oder dem Missbrauch von Kindern kann ein pränataler Vaterschaftstest angeordnet werden. Das Recht dazu haben aber ausschließlich staatliche Behörden.

6. Ohne Zeugen geht es nicht

Die Entnahme der Gewebeproben, mit denen der Vaterschaftstest durchgeführt wird, muss in Gegenwart eines Zeugen erfolgen. Damit soll verhindert werden, dass Proben vertauscht und Testergebnisse verfälscht werden. Meist ist die Person, welche die Proben entnimmt, auch zugleich der Zeuge.

Nicht jeder kommt als Zeuge in Frage: Laut Gesetz muss es eine unabhängige und geeignete Person sein, wie etwa Ärzte oder Mitarbeiter des Jugend- oder Gesundheitsamtes. Der Zeuge bzw. Probennehmer ist auch dafür verantwortlich, die Proben an das durchführende Labor zu senden.