Wie funktioniert ein Vaterschaftstest?

Moderne Vaterschaftstest analysieren und vergleichen das Erbgut von Vater und Kind. Die Anbieter verwenden dabei erprobte Methoden, die Wissenschaftler schon vor einiger Zeit entwickelt haben. Auch die Polizei nutzt im Prinzip das gleiche Verfahren: Manchem wird es unter dem Begriff "genetischer Finger­abdruck" geläufig sein.

1. Aufreinigung der DNA

Als erstes muss die Erbsubstanz DNA aus den Gewebeproben aufgearbeitet werden. Theoretisch eignet sich fast jedes menschliche Gewebe für eine Vaterschaftstest - sogar Haare, Fingernägel und Reste der Nasenschleimhaut in gebrauchten Taschentücher. Doch in der Praxis beschränken sich die Labore auf zwei Quellen: Meist sind es Abstriche der Mundschleimhaut, seltener auch Blutproben.

Die Zellen in den Gewebeproben werden mit Chemikalien aufgeschlossen, so dass ihr Inhalt in das umgebende Lösungsmittel übergeht. Das Erbgut wird dann von Proteinen und allen anderen Zellbestandteilen getrennt. Am Ende liegt die DNA in einer hochreinen Form vor, mit der die Labore weiter arbeiten können.

2. Vervielfältigung der erblichen Merkmale

Vaterschaftstests benötigen nur sehr kleine Gewebeproben. Diese enthalten allerdings auch nur wenig DNA - für eine sichere Analyse ist das zu wenig. Die Labore müssen also die interessanten Abschnitte vervielfältigen: Dies erfolgt mit einer sogenannten Polymerasekettenreaktion.

Analysiert werden allerdings keine Gene - ein Vaterschaftstest ist also grundsätzlich anders als ein Gentest und erlaubt keine Vorhersagen über die Eigenschaften des Kindes. Von Interesse sind hier nur kurze Abschnitte, die Short Tandem Repeats (STR) genannt werden. Diese tragen keine Erbinformation, unterscheiden sich aber dennoch deutlich zwischen einzelnen Menschen.

3. Analyse der Länge

Das Besondere an den STR: Ihre Länge ist höchst variabel. Sie bestehen aus kurzen Bereichen, die sich mehrfach wiederholen. Bei einem Menschen finden sich zehn Wiederholungen, beim nächsten fünfzehn, und bei einem dritten können es zwanzig sein.

Um die Anzahl der Wiederholungen zu ermitteln, lässt man die STR-Fragmente durch ein engmaschiges Netz wandern - eine sogenannte Gelelektrophorese. Kleine Fragmente wandern dabei schneller als größere: Die Geschwindigkeit wird gemessen und gibt dann Aufschluss über die Länge der STR.

4. statistische Auswertung

Ein Kind erbt für einen bestimmten Abschnitt zwei STR - eines von der Mutter und eines vom Vater. Mindestens fünfzehn STR-Systeme werden für einen Vaterschaftstest analysiert. Die STR-Merkmale, die bei dem Kind auftauchen, müssen auch bei einem der Elternteile zu finden sein.

Treten bei dem Kind mindestens vier STR-Merkmale auf, die weder von der Mutter noch von dem möglichen Vater stammen können, ist die Schluss­folgerung eindeutig: Der Mann kann nicht mit dem Kind verwandt sein, eine Vaterschaft ist zu 100 % ausgeschlossen.

Lassen sich jedoch alle STR-Merkmale des Kindes widerspruchsfrei zuordnen, ist damit das immer noch kein Beweis für eine Vaterschaft. Die Merkmale könnten schließlich - zumindest theoretisch - auch von einem anderen Mann kommen. Daher folgt eine aufwändige statistische Berechnung, in die die Häufigkeit der Merkmale in der allgemeinen Bevölkerung einfließt. Am Ende dieser Berechnung wird immer eine Wahrscheinlichkeit stehen: Ist sie größer als 99,9 %, wird jedes deutsche Gericht die Vaterschaft anerkennen.